Oft ist bei Kindesmissbrauch innerhalb des engen Familienkreises die Wahrheit aussprechen erst Jahre später möglich – wenn überhaupt.

Die Wahrheit aussprechen ist mutig!

Wofür Du Dich als Betroffene am meisten schämst, Dich vielleicht gar mitschuldig fühlst, was Dir Angst bereitet, wenn Du nur daran denkst – darüber sprechen?

Oft geht es gar nicht, zu groß sind Abhängigkeiten von Kindern oder Heranwachsenden. Den Missbrauch aussprechen und dennoch im alten Umfeld bleiben mit dem Täter/ der Täterin, seien es Vater, Mutter oder ein Geschwister, ist kaum auszuhalten.

Wie kann ein Kind sich Hilfe außerhalb der Familie holen? Ein schwieriges Unterfangen, ohne gehörige Portion Glück in der Wahl des Ansprechpartners, dessen Verständnis, Mitgefühl, Engagement und Durchhaltekraft bei Widerständen über längere Zeit wichtig für Dich sind. Die Wahrheit aussprechen ist der Anfang einer neuen Geschichte.

In der Familie klaffen Gräben, jeder positioniert sich, wie niemand es vorhersagen könnte, denn oberster Grundsatz ist keinesfalls ein Schutz des schwächsten Familienmitglieds.

Sind Vater oder Mutter Täter, will der Partner vielleicht keine Trennung. Hier spielen finanzielle Faktoren, Ausrichtung nach der Meinung anderer, Verbundenheit mit dem Umfeld uvm. eine Rolle.

Bei einem minderjährigen Geschwister als Täter ist eine räumliche Trennung noch schwieriger, sich aus Liebe zu einem Kind von einem anderen zu trennen kaum denkbar.

Worauf kannst Du folglich als Betroffene zählen, wenn Du Dich öffnest? Zunächst auf Dich selbst. Es ist ein Riesenschritt, für Dich einzustehen, trotz aller eigenen Ängste auszusprechen, was keinem gefällt.

Dann kannst Du zählen auf professionelle BeraterInnen, die sowohl mit der Thematik bestens vertraut sind, als auch den Menschen auf seinem Stand abholen und aufzeigen können, welche Möglichkeiten es gibt, den Status Quo zu überwinden.

Du wirst viel Menschenkenntnis erwerben, wer das Fähnchen im Winde, wer zuverlässiger Fels in der Brandung ist, wer loyal dem Mächtigsten die Treue hält oder aber den Wert der Gerechtigkeit lebt …Das Stehen zu Dir, zur bislang unausgesprochenen Wahrheit, kann Dir niemand nehmen. Nicht mit Gewalt noch Bitten oder Gegenspielen, Du hast agiert mit viel Mut und damit eine Mine losgetreten, die der gewaltigen Kraft der vorhergehenden Geschehnisse in nichts nachsteht.

Vorbei die Zeiten stummer Schreie.

Die Wahrheit aussprechen ist unerwünscht

Wer will schon hören, was unfassbar ist, intim und dazu noch unangenehme Konsequenzen nach sich zieht?
Sprichst Du die Wahrheit aus, erhoffe Dir im Familienkreis nicht unbedingt Unterstützung.

Was war es  bequem, mit der Lüge einer intakten Familie zu leben, solange Du noch geschwiegen hast, selbst, wenn in Deinem Leben innerlich vieles zu Bruch ging. Du hast Dein Vertrauen verloren in einen Menschen, den Du geliebt hast. Dein Kindsein wurde jäh beendet.

Die anderen Mitglieder wussten nichts oder konnten vorhandene Anzeichen ignorieren, das Leben war für sie in Ordnung.
Deine Wahrheit stört nun außerordentlich!

Soll denn keiner an diesem Vergehen vorbeischauen können? Das gibt Gerede, jeder wird angesprochen werden: Was, e r / sie? Und keiner hat was bemerkt? Hätte ich nicht gedacht, es waren doch alle immer so nett bei Euch! …

Womöglich bist Du jahre – oder gar jahrzehntelang durch einen schützenden Schleier des Vergessens vom Missbrauch getrennt gewesen, wie es bei schweren Traumata häufig vorkommt. Die Erinnerung kommt spontan zurück, sobald Du reif und stabil genug bist, das Erlebte aufzuarbeiten.

Während dieser gesamten Phase kannst Du die Wahrheit nicht aussprechen, kommst nicht einmal an dieses Thema in Dir heran. Ein gut funktionierender Überlebensmechanismus mit dem großen Nachteil, dass Geschehnisse, die zu Deinem Leben gehören, im Bewusstsein weder abrufbar noch sichtbar oder in irgendeiner Weise aufgearbeitet und somit integrierbar wären.

So viele Probleme – warum dann die Wahrheit aussprechen? Weil Du

  • dem Täter / der Täterin die Maske wegziehst, unter der er / sie ungebremst weitermachen kann
  • eine große Familienlüge ans Licht bringst
  • Dir später sagen kannst, dass Du versucht hast, den Missbrauch zu stoppen

Hörst Du auf, gleichgültig wen zu verurteilen, Dich selbst eingeschlossen, wird es leichter, die Wahrheit auszusprechen.

Trotzdem reden ist Gold wert.

Die Wahrheit aussprechen ist Licht bringend

Sprichst Du aus, was Dir geschehen ist, kommt die Wahrheit ans Licht. Aus dem Dunkel heraus. Du bist es, die ein und dasselbe Geschehen von einem Ende des Pols zum anderen bringt, aktiv, aus eigener Entscheidung.

Welche Schwierigkeiten auch immer Dir daraus entstehen werden, ist doch eines klar: dem Täter gefällt das am allerwenigsten. Er fühlt sich entlarvt und hat ein Opfer vor sich, was auf einmal Stärke zeigt, das hatte er sich anders gedacht.

Spür Dich mal hinein. Merkst Du, wie Du die Dir zugedachte Rolle verlässt, indem die Wahrheit mitten im Wohnzimmer wie ein Sprengstoffsatz neben dem Sofa liegt? Niemand kann vorhersagen, was die einzelnen Familienmitglieder nun tun werden, nur eines steht fest: die alte Ordnung ist aufgehoben.

Nun beginnt ein Film, wie nur das Leben ihn drehen kann. Jeder muss Stellung beziehen, jeder zeigt sich, seine Werte und – ob er den Mut hat, sie zu leben.

Für jedes Thema gilt, sprichst Du etwas aus, geht die Energie in die Breite, verliert an Kraft.
Behältst Du etwas für Dich, wirkt es tiefer und intensiver in Dir.

Natürlich tut Dir so betrachtet die erste Variante besser, doch bedenke den Sprengstoffsatz!

Was geschieht in der Familie? Es ist unbedingt ratsam, Hilfe außerhalb zu suchen. Und wenn es nur ein einziger zuverlässiger Mensch ist, der als Ansprechpartner tatkräftige Unterstützung leisten kann, hast Du jemanden an Deiner Seite, der neutral ist.
Die Wahrheit von Missbrauch aussprechen heißt, sich selbst verletzlich zeigen. Hier braucht es Schutz im Außen, um wieder die innere Mitte zu finden.

Ein Segen sind hier all die starken Mütter oder Väter, die bedingungslos zu ihrem Kind stehen können statt die Meinung anderer, die finanzielle Versorgung oder die anerzogene Vorstellung von Familienzusammenhalt ihre Entscheidungen bestimmen zu lassen.
Gerade sie werden in dieser Phase auf ihren Mut geprüft.

In dieser extremen Spannung zeigt der Mensch sich selbst wahrhaftig, welche Werte er schon lebt oder auch, wo er noch wachsen will.

Licht und Dunkel gehören zusammen, frage Dich, ob Du schon jeden auf seinem Stand annehmen kannst, Dich selbst eingeschlossen.

Im Licht der Wahrheit zeigt der Mensch sich wahrhaftig.

Die Wahrheit aussprechen ist unüblich

Mit dem Verschweigen der Wahrheit bewegst Du Dich im Zentrum der Masse.

Wie viele Ausschüsse, Gerichtsverfahren werden eröffnet zur Wahrheitsfindung?
In unserer Gesellschaft suchen wir nach ihr, sie liegt nicht offen auf dem Tisch, vielmehr kursieren Halbwahrheiten und Unwahrheiten.

Die Beweggründe können sein Geld, Macht, Wirkung, Position, die reine Weste … oder schlichtweg Gewohnheit.
Im Internet finden wir Fakes, im Journalismus gefärbte Berichterstattung und sagen Politiker „Nicht, dass Sie glauben …“  dürfen wir genau das glauben.

Und in eben diesem Umfeld kommst Du mit der Wahrheit an, das wird oftmals gesehen als Beschmutzen des eigenen Nestes.
Entscheidend ist das angesprochene Thema, so legen wir wohlmeinende Toleranz an den Tag, wenn bei Kaffee und Kuchen über die Gallenstein-OP gesprochen wird. Missbrauch ist kein angenehmes Thema, damit störst Du den harmonischen Ablauf des Beisammenseins. Womöglich ist sogar Handlungsbedarf angesagt, wie unangenehm.

Erzähl doch lieber, dass Du bei der Prüfung gepfuscht, das Finanzamt hintergangen oder schwarz gefahren bist und diese Wahrheiten werden womöglich gar anerkennendes Nicken auslösen.
Aber belästige andere nicht mit dem Aussprechen unangenehmer Wahrheiten.

Selbst bei Kleinigkeiten rutschen Lügen gewohnheitsgemäß durch, obwohl Du zum Beispiel nicht an einen Geburtstagstermin gedacht hast, werden die vielen Termine vorgeschoben.
Im Großen wie im Kleinen ist Lügen gesellschaftsfähiger als das Aussprechen unangenehmer Wahrheiten, weshalb zu lügen nicht einmal als solches benannt, sondern heruntergespielt wird mit sich `herausreden´.

Versuche, Dich noch klarer gegen den Mainstream zu stellen durch ein liebevolles Beobachten eigener alter Gewohnheiten.

Nichts glänzt mehr als die Wahrheit.

Die Wahrheit aussprechen ist stärkend

Widerspruch?!
Ja, tatsächlich, anfangs sieht es bei den meisten Mädchen und Frauen gegenteilig aus. Doch Du darfst auch zu diesem Thema Deines Lebens sprechen, da es zu Dir gehört wie alle anderen Erlebnisse. Wird es ausgeklammert, ein Geheimnis daraus gemacht, wirkt es im Inneren viel stärker.

Zunächst gestalten sich Chaos und Contra im nahen Umfeld immens groß. Solch einen Zustand magst Du vielmehr empfinden, als sei die Welt aus den Angeln gehoben. Parallel meldet sich unterschwellig vielleicht schon eine Stimme in Dir, zunächst flüsternd, zaghaft, dann stetig deutlicher, bis sie vernehmbar ist: Durchbruch!

Dir ist es vielleicht sogar zum ersten Mal im Leben gelungen, sämtlichen inneren und äußeren Widerständen zum Trotz, eine unangenehme Wahrheit auszusprechen.

Deine Ängste, Dein Zögern, nichts konnte Dich letztendlich abhalten, was heißt, dass Deine Seele Dich führen konnte, dass sie in dem Moment der Entscheidung stärker war als Dein Verstand. Sie ist der stärkste Part in Dir.

Bisher gab es möglicherweise das Wissen, dass Du alle Kraft in Deinem Handgepäck in dieses Leben mitgebracht hast, die hier benötigt werden. Ab jetzt ist dieses Wissen eine integrierte Erkenntnis, denn sie wurde erfahren.

Derartige Erfahrungen bringen Vertrauen ins Leben wie auch die eigene Kraft, sie führen Dich durch ein tiefes Tal der Tränen, um anschließend den Weg nach oben zu zeigen.

Einen Weg der Wahrheit zu gehen bedeutet heute noch wie vor 2000 Jahren, viele Steine auf dem Weg zu haben, die das Weiterkommen erschweren, zum Stolpern bringen oder gar verletzen können.

Ist Dir aufgefallen, dass heutzutage viele Wahrheiten offengelegt, ausgesprochen werden? Was oftmals jahrzehntelang geschah, dringt nun an die Oberfläche. Wahrheit zieht Schleier fort, Wahrheit stellt klar, vor allem schert sie sich nicht um Normen.

Kein Leben ist normal, jedes trotz Überschneidungen höchst individuell, von daher darfst Du deutlich sagen:

  • Ich stehe zu mir
  • Ich nehme meine Erfahrungen an
  • Ich werde dadurch stärker als zuvor

Familiengeheimnisse wie Missbrauch überschatten das Leben der Mitglieder über Generationen hinweg, bis endlich eine mutige Ur-/ Enkelin sich traut, es zu lüften.

Jede Schwäche birgt das Potential von Stärke in sich.

Die Wahrheit aussprechen ist … der Beginn eines Friedens,

welchen Du lange Zeit nicht mehr gespürt hast.

Wie erreichst Du diesen Frieden, etwa durch den anfänglichen Sprengsatz, noch mehr Chaos?
Keineswegs, sondern durch

  • ein „Ja“ zur Tat, denn sie ist geschehen
  • ein „Ja“ zu den Familienmitgliedern, welche Rolle sie auch gespielt haben
  • ein „Ja“ zum Täter mit Schaffen genau der Distanz, die Dir gut tut

Vermeide alles, was mit Beschuldigen, Anklagen zusammenhängt, denn so lange bindest Du Dich noch an die Ereignisse.
Beginne vielmehr, Dein Leben wieder aufzubauen, ja, es überhaupt wieder zu Deinem Leben zu machen!

Befreie Dich von Deinen Scham-, Schuld-, Angstgefühlen …, um Dich wiederzufinden im friedvollen Zustand der inneren Mitte.
Du hast selbst erlebt, wie kraftvoll die Missbrauchsenergie war, sie hat weder nach Deinen Gefühlen noch Recht oder Grenzen gefragt, sondern sich ausgelebt.                        Punkt, aus und vorbei.

Sorge nun für dich, einmal, dass es vorbei ist, dann, dass Du wieder die positiven Gefühle lebst.
Noch mehr, dass Du schaust, wo gerade sie ungestümer, ungefesselter Dein Leben erhellen können.

Du bist mit solcher ungebändigten Energie berührt worden, es gilt sie nun zu nutzen.

Dies geschieht auf eine höchst friedvolle Weise in Dir selbst, indem Du Dir vergegenwärtigst:
Die Schwingung von Missbrauch und missbraucht Werden ist gleich.
Täter und Opfer stellen die zwei Pole dieser Schwingung dar, was Dich also bisher niedergedrückt hat, kann Dich ebenso emporheben. Ich zeige Dir, wie.

Am eigenen Körper hast Du erfahren, was Missbrauch als eine Form von Gewalt anrichtet. Diese Gewalt kam von außen, noch schädlicher wirkt sich eine derartige Schwingung innen aus. Schütze Dich vor Gefühlen von Rache, denn sie wirken ähnlich einer Säure am stärksten auf das Gefäß, in dem sie sich befinden – in Dir selbst.

Innerer Frieden bringt Heilung.

Suche Dir als ersten Schritt einen Menschen Deines Vertrauens, der Dich unterstützt, wenn die Wahrheit ans Licht gekommen ist. Du brauchst über Monate hinweg ein offenes Ohr, Stärkung bei Contra aus der Familie, vielleicht sogar eine Möglichkeit, umzuziehen.

2019 ist ein Jahr für Entscheidungen und Umsetzungen.

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